Die meisten Menschen geben auf, wenn sie keine Fortschritte sehen. Sie halten es für einen Beweis, dass es bei ihnen nicht funktioniert. Dabei stehen sie oft kurz vor dem Durchbruch.
Ich habe drei Jahre gebraucht, um einen freien Handstand zu lernen.
Drei Jahre.
Manche schaffen das in drei Monaten. Ich nicht.
Zwischendurch dachte ich mehr als einmal: Vielleicht bin ich einfach nicht der Typ dafür. Zu ungelenkig. Zu schwer. Falsche Proportionen. Das übliche Kopfkino.
Aber hier ist, was ich dabei gelernt habe – und es hat wenig mit Handständen zu tun:
Fortschritt ist nicht linear. Und er hält sich nicht an Deinen Zeitplan.
Du kannst wochenlang auf der Stelle treten. Dann machst Du über Nacht einen Sprung, den Du nicht erklären kannst. Dann wieder wochenlang nichts. So läuft das.
Die meisten Menschen geben irgendwo in den Plateauphasen auf.
Sie interpretieren fehlenden Fortschritt als Beweis, dass „es bei ihnen nicht funktioniert“.
Dabei stehen sie manchmal kurz vor dem Punkt, an dem es klick macht.
Ich war früher genauso. Als Ingenieur will ich Ergebnisse sehen. Messbar. Reproduzierbar. Am liebsten gestern.
Dann habe ich etwas begriffen, das simpel, aber nicht immer leicht umzusetzen ist:
Hingehen. Trainieren. Nach Hause gehen.
Ohne Drama. Ohne Selbstgeißelung, wenn’s mal nicht läuft. Ohne emotionale Achterbahnfahrt.
Der Trick ist: Du triffst EINE Entscheidung. Nicht hundert kleine. Eine große. Und dann ist die Diskussion beendet.
Die Entscheidung ist nicht: Wie oft? Welcher Plan? Welches Studio? Sondern: Wer willst Du sein?
Es geht um Identität, nicht um starre Regeln.
Ich bin ein Dranbleiber.
„Ich bin ein Mensch, der trainiert“, ist eine andere Aussage als „Ich muss dreimal pro Woche trainieren.“
Die erste überlebt einen Schnupfen, einen stressigen Job, einen Urlaub. Die zweite nicht. Die zweite produziert Schuldgefühle beim ersten Ausfall. Die erste nicht.
Und der Zeithorizont? Vergiss ihn.
Es dauert, so lange es dauert.
Und das ist okay.
Wenn Du Dich auf den Prozess einlässt, statt auf ein willkürliches Verfallsdatum zu starren, passiert etwas Seltsames:
Du fängst an, den Weg zu genießen.
Nicht nur das Ziel.
Und lass uns ehrlich sein – Du wirst deutlich mehr Zeit auf dem Weg verbringen als am Ziel. Also sollte der Weg besser nicht nur erträglich sein, sondern gut.
Drei Jahre Handstand-Üben?
Ich würde keine Woche davon missen wollen.
Sportliche Grüße

P.S. Falls Du jetzt Lust bekommen hast, den Handstand selbst zu lernen – hier findest Du die Schritt-für-Schritt-Anleitung.
P.P.S. Mehr über meinen Ansatz zum Dranbleiben findest Du in meinem Buch.

